24. Jun 2026Von: Wieland Voigt

Mikrobiom-Tag am 27. Juni: Was unser Atem über den Darm verraten könnte

Mikrobiom-Tag am 27. Juni: Was unser Atem über den Darm verraten könnte

Der menschliche Darm ist von Milliarden Mikroorganismen besiedelt. Dieses sogenannte Mikrobiom hilft bei der Verdauung, beeinflusst das Immunsystem und spielt eine wichtige Rolle für das Gesundheit. Wenn dieses komplexe Gleichgewicht aus der Balance gerät, kann das Folgen haben, und eventuell das Risiko bestimmter Erkrankungen erhöhen.

‚Westlich geprägte Ernährung‘ fördert Wachstum von schwefelverarbeitenden Bakterien

Ein wissenschaftlicher Beitrag von Prof. Dr. Wieland Voigt ‚Schwefelwasserstoff als ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Kolonkarzinoms - ein neuer Einsatzbereich für die Atemgasanalyse?‘ erschienen in trillium-medizinischer Fachverlag, beschäftigt sich mit einem besonderen Stoffwechselprodukt des Darmmikrobioms: Schwefelwasserstoff, kurz H₂S. Dieses Gas kann entstehen, wenn bestimmte Darmbakterien schwefelhaltige Bestandteile aus der Nahrung verarbeiten. Besonders eine westlich geprägte Ernährung mit viel rotem oder verarbeitetem Fleisch, frittierten Lebensmitteln und wenig Obst und Gemüse kann laut Studien mit einer Zunahme solcher schwefelverarbeitenden Bakterien verbunden sein.

Schwefelwasserstoff kann Darmschleimschicht schädigen

Schwefelwasserstoff im Darmlumen kann in höheren Konzentrationen die schützende Schleimschicht des Darms überwinden. Es gibt Hinweise, dass er auf diese Weise Entzündungsprozesse fördern und durch direkt genotoxische Eigenschaften möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs spielt. Dabei geht es nicht darum, einzelne Bakterien als „gut“ oder „schlecht“ abzustempeln. Entscheidend ist vielmehr, welche Stoffwechselaktivität das Mikrobiom insgesamt entfaltet.
Für die Detektion von Schwefelwasserstoff ist es relevant, dass das Gas nicht nur im Darm bleibt. Ein Teil kann über die Darmschleimhaut ins Blut gelangen, über die Lunge abgegeben und schließlich in der Ausatemluft gemessen werden. Damit könnte die Atemgasanalyse künftig helfen, bestimmte mikrobielle Prozesse im Darm auf einfache und nicht-invasive Weise sichtbar zu machen.

Durch Atemgastests individuelle Risiken einschätzen


Noch ist dafür weitere Forschung nötig. Es müssen insbesondere Normalwerte und klinisch aussagekräftige Grenzwerte entwickelt und in Studien überprüft werden. Langfristig könnte die Messung von Schwefelwasserstoff im Atem jedoch dazu beitragen, individuelle Risiken besser einzuschätzen, Prävention gezielter zu gestalten und Ernährungsempfehlungen stärker zu personalisieren.


Der Mikrobiom-Tag – mehr Aufmerksamkeit für die Verdauung


Der Mikrobiom-Tag am 27. Juni, der 2008 vom APC Microbiome Irland ins Leben gerufen wurde, legt den Fokus auf die enge Verbindung von Ernährung, Darmbakterien und Gesundheit. Die Forschung zur Atemdiagnostik zeigt: Das Darmmikrobiom wirkt nicht im Verborgenen, es hinterlässt messbare Spuren - und es hat einen wesentlich größeren Einfluss auf unser Wohlbefinden als vermutet.


👉 Zum Artikel: https://www.trillium.de/zeitschriften/trillium-krebsmedizin/2024/tk-heft-1/2024-ash-und-sabcs-und-abc7/biomarker-serie/h2s-im-atem-ein-risikofaktor-fuer-die-entwicklung-eines-kolonkarzinoms.html

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