Darmkrebsmonat März - Wie das Darmmikrobiom das Darmkrebsrisiko beeinflusst
Als Gründer und CEO der VOC-Advanced Breath Diagnostics GmbH
mit Labor in Forchheim arbeitet Prof. Dr. med. Wieland Voigt an der Entwicklung innovativer,
nicht-invasiver Atemtests, die bakterielle Stoffwechselprodukte aus der Atemluft messen und
damit neue Möglichkeiten für Prävention und Früherkennung eröffnen.
Ein Schwerpunkt seiner Forschung liegt auf mikrobiellen Stoffwechselprozessen im Darm, etwa der Bildung von Schwefelwasserstoff (H₂S), der als möglicher Risikomarker für Darmkrebs diskutiert wird. Anlässlich des Darmkrebsmonats März, einer Initiative der Felix Burda Stiftung und weiteren, beantwortet Prof. Dr. med. Wieland Voigt Fragen zum Einfluss des Darmmikrobioms auf das Darmkrebsrisiko.
1. Herr Professor Voigt, welche Rolle spielt das Darmmikrobiom bei der Entstehung von Darmkrebs und was weiß die Wissenschaft heute darüber, was vor wenigen Jahren noch unklar war?
Prof. Dr. med. Wieland Voigt:
Das Darmmikrobiom, also die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen, kann die Entstehung von Darmkrebs beeinflussen. Bestimmte Bakterien können Entzündungen fördern, krebserregende Stoffwechselprodukte bilden oder direkt mit Darmzellen interagieren und so Prozesse auslösen, die zur Tumorbildung beitragen.
In den letzten Jahren hat die Forschung gezeigt, dass einige Bakterienarten – etwa Fusobacterium nucleatum – bei Darmkrebs deutlich häufiger vorkommen und möglicherweise das Tumorwachstum begünstigen. Früher war unklar, ob Veränderungen im Mikrobiom nur eine Folge des Tumors sind oder aktiv zur Krebsentstehung beitragen. Heute gibt es zunehmend Hinweise, dass bestimmte mikrobielle Veränderungen bereits in frühen Krankheitsstadien auftreten und eine ursächliche Rolle spielen können. Diese Erkenntnisse eröffnen neue Ansätze für Prävention, Früherkennung und personalisierte Therapien.
2. Gibt es bestimmte bakterielle Veränderungen oder „Muster“ im Mikrobiom, die als Risikofaktoren für Darmkrebs gelten?
Prof. Dr. med. Wieland Voigt:
Studien zeigen, dass sich bei Menschen mit Darmkrebs häufig bestimmte Muster im Darmmikrobiom finden. Dazu gehört eine vermehrte Häufigkeit potenziell schädlicher Bakterien, etwa Fusobacterium nucleatum oder bestimmter Bacteroides-Arten, während schützende, entzündungshemmende Bakterien oft reduziert sind.
Ein weiteres auffälliges Merkmal ist eine Zunahme von Bakterien, die Schwefelverbindungen abbauen und Schwefelwasserstoff (H₂S) produzieren, etwa bestimmte Desulfovibrio- oder Bilophila-Arten. Schwefelwasserstoff kann in höheren Konzentrationen die Darmschleimhaut schädigen, Entzündungen fördern und die DNA von Darmzellen beeinträchtigen, was möglicherweise zur Krebsentstehung beiträgt.
Solche mikrobiellen Veränderungen gelten daher als mögliche biologische Risikomarker, die künftig bei der Früherkennung oder Risikobewertung von Darmkrebs eine Rolle spielen könnten. Gerade der Rolle von Schwefelwasserstoff als Risikoindikator für die Entwicklung eines kolorektalen Karzinoms widmen wir als Firma unsere Forschung und arbeiten an der klinischen Entwicklung eines Tests, der das individuelle Risiko anzeigen und klassischen Screening-Tests vorgeschaltet sein soll.
3. Viele Menschen denken bei Darmkrebs vor allem an Vorsorgekoloskopie. Könnten mikrobielle Veränderungen künftig helfen, Risiken früher oder weniger invasiv zu erkennen?
Prof. Dr. med. Wieland Voigt:
In der aktuellen Forschung wird zunehmend untersucht, ob Veränderungen im Darmmikrobiom als frühe Hinweise auf ein erhöhtes Darmkrebsrisiko dienen können. Bestimmte bakterielle Muster – etwa eine Zunahme von potenziell entzündungsfördernden Bakterien oder solchen, die Schwefelwasserstoff (H₂S) produzieren – treten bei Menschen mit Darmkrebs oder bereits bei Vorstufen wie Polypen häufiger auf.
Daher wird erforscht, ob solche mikrobiellen Signaturen künftig über Stuhltests oder andere nicht-invasive Analysen, wie beispielsweise Atemanalysen, erkannt werden können, um Risikopersonen frühzeitig zu identifizieren.
Vor dem Einsatz solcher neuen Tests bedarf es jedoch einer Bestätigung der Genauigkeit und des Nutzens in systematischen und groß angelegten klinischen Studien. Die Darmspiegelung bleibt derzeit der wichtigste und zuverlässigste Standard zur Vorsorge und Diagnose.
4. Welche Bedeutung haben Ernährung, Antibiotika oder chronische Darmerkrankungen für das Mikrobiom und damit möglicherweise für das Darmkrebsrisiko?
Prof. Dr. med. Wieland Voigt:
Ernährung, Antibiotika und chronische Darmerkrankungen können das Darmmikrobiom deutlich verändern und damit möglicherweise auch das Darmkrebsrisiko beeinflussen.
Eine Ernährung mit viel rotem Fleisch und wenig Ballaststoffen kann beispielsweise Bakterien begünstigen, die entzündungsfördernde Stoffe oder Schwefelwasserstoff (H₂S) produzieren, während ballaststoffreiche Kost eher schützende Darmbakterien unterstützt.
Häufige oder langfristige Antibiotikatherapien können das Gleichgewicht der Darmflora stören und nützliche Bakterien reduzieren. Auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gehen oft mit einer veränderten mikrobiellen Zusammensetzung einher, die Entzündungen und möglicherweise krebserregende Prozesse fördern kann.
Insgesamt zeigt die Forschung, dass ein stabiles und vielfältiges Mikrobiom ein wichtiger Faktor für die Darmgesundheit sein könnte.
5. Wenn Sie eine Botschaft zum Darmkrebsmonat März formulieren müssten: Was kann jeder Einzelne konkret tun, um sein Darmmikrobiom und damit möglicherweise auch sein Krebsrisiko positiv zu beeinflussen?
Prof. Dr. med. Wieland Voigt:
Zum Darmkrebsmonat März lässt sich eine wichtige Botschaft festhalten: Ein gesunder Lebensstil unterstützt auch ein gesundes Darmmikrobiom.
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten fördert nützliche Darmbakterien und kann helfen, entzündliche Prozesse im Darm zu reduzieren. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, den Konsum von stark verarbeitetem Fleisch zu begrenzen, da solche Ernährungsweisen Bakterien begünstigen können, die Schwefelwasserstoff (H₂S) produzieren – ein Gas, das in höheren Mengen die Darmschleimhaut schädigen kann.
Auch regelmäßige Bewegung, ein bewusster Umgang mit Antibiotika und die Teilnahme an empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen tragen zur Darmgesundheit bei. Wichtig bleibt: Die Darmspiegelung ist weiterhin die effektivste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs.
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